20 lessons from the past 20 years – Teil 5 – Lesson 17-20

Überblick

Dies ist Teil 5 der Serie „20 lessons from the past 20 years“. Er beinhaltet Lesson 17-20. Die anderen Teile findest du hier:

Einleitung

„Das Ziel meiner Reise war nie ein Land oder ein Ort, sondern eine neue und offenere Art Dinge zu sehen. Das ist der Unterschied zwischen einem Reisenden und einem Touristen. Touristen wissen oft nicht wo sie waren, aber Reisende wissen meistens nicht, wohin sie gehen.“

Mathias Wiese

Ich werde euch in dieser Serie einen Einblick in die letzten 20 Jahre meiner TrainerInnentätigkeit geben. Es sind 20 Lehren, die ich aus den letzten 20 Jahren ziehen durfte oder in manchen Fällen ziehen musste. Sie sollen euch, die vielleicht noch am Anfang ihrer TrainerInnenkarriere steht, zeigen, wie vielschichtig diese Berufung sein kann, wenn ihr euch wirklich zu 100 % öffnet. Wenn ihr schon mitten drin seid, werdet ihr vielleicht merken, dass es noch so vieles mehr gibt als nur look good naked, auch wenn das natürlich immer wieder von Vorteil sein kann. In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn ihr euch immer wieder kurz die Zeit nehmt diese Beiträge lest und sie vielleicht auch teilt, damit auch andere die Chance bekommen sich das eine oder andere mitnehmen zu können.

Liebe Grüße,
Mathias

17 – Science and Practice

„Wer sich der Praxis hingibt ohne Wissenschaft, ist wie ein Steuermann, der ein Schiff ohne Ruder und Kompass besteigt und nie weiß, wohin er fährt.“

Leonardo Da Vinci

Praxis oder Wissenschaft – Art or Science – oder wie immer man es auch bezeichnen möchte, ist für mich persönlich kein „entweder – oder“, sondern ein ganz klares, nicht verhandelbares Miteinander. Doch leider kommt es auch hier immer wieder zu einem meist sehr testosterongesteuerten „Schwanzvergleich“ (man möge mir diesen Ausdruck nachsehen, aber er bringt es einfach auf den Punkt). Die eine Seite wirft der anderen wissenschaftliche Inkompetenz vor, während die andere Seite mit dem Vorwurf der Praxisignoranz dagegenhält.

Und dabei verhält es sich doch vollkommen anders. Aber auch hier finden wir ganz schnell wieder das Phänomen der Kompetenzüberschreitung. Das kann beidseitig sein entweder „ich stelle meine Tätigkeit oder meine akademischen Titel über deine Erfahrung“ oder umgekehrt „ich stelle meine Praxiserfahrung und meine Erfolge als TrainerIn über dein theoretisches Wissen.“

In der Biologie gibt es den Begriff der Symbiose unter dem man prinzipiell alle Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Arten von Lebewesen, die zum Vorteil aller Beteiligten sind, zusammenfasst. Man kann Symbiosen auch nach unterschiedlichen Kriterien unterteilen und in unserem Fall ist ganz klar die „Art des Nutzens“ das Kriterium.

Hier geht es meistens um mindestens ein Grundbedürfnis des Lebewesens – Nahrung, Fortpflanzung etc.

Was wäre das in unserem Fall?

Wissenschaft – Das Finden von Fragestellungen

Praxis – Aneignen von „aktuellem“ und relevantem Wissen

Und genau hier überschneiden sich meiner Meinung nach beide Welten. Denn die/der klassische WissenschaftlerIn ist wahrscheinlich wirklich ein wenig weiter von der Praxis entfernt als ihr/ihm das vielleicht lieb ist. Ich als Praktiker habe meistens einfach weder die Zeit, noch die Möglichkeit mich mit dem für mich manchmal sehr wichtigen Wissen selbst zu versorgen.

Natürlich gibt es hier immer wieder Ausnahmen. TrainerInnen die brutal belesen und up to date sind und WissenschaftlerInnen die aus der Praxis kommen oder noch immer sehr stark in dieser verankert sind. Beides sind meiner Erfahrung nach leider die Ausnahmen.

Wir sind alle SpezialistInnen auf unserem Gebiet (zumindest im Idealfall) und wir können einfach nicht alles abdecken. Und deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns effektiv Vernetzen und gemeinsam an unseren Zielen arbeiten. Jede trägt das bei, was sie besonders gut macht und jede bekommt dann wieder etwas zurück, dass ihr bei ihrer Arbeit weiterhilft und sie weiter nach vorne bringt …

… und ja, manchmal darf auch ich von einer besseren Welt träumen…

Aber was, wenn wir zusammen – ja genau, du der/die das gerade liest und ich, der das hier geschrieben hat – genau jetzt mit diesem Projekt der Vernetzung beginnen?

Wenn du daran Interesse hast, egal was du kannst oder weißt, dann melde dich bei uns.

18 – Deine Wurzeln

„Ändere Deine Meinung, aber bleibe Deinen Prinzipien treu.

Ändere Deine Blätter, aber behalte Deine Wurzeln.“

Victor Hugo

Eigentlich könnte ich es bei meinem Eingangszitat belassen, aber ich möchte doch noch in aller Kürze ein paar Worte dazu verlieren.

Es ist unglaublich toll und wichtig, dass ihr als euch als TrainerIn, im sportlichen Bereich zumindest einmal ausprobiert habt. Ich habe ja schon geschrieben, niemand muss Profi oder sonst was gewesen sein, aber es ist immer von Vorteil, wenn man sich über eine bestimmte Zeit hinweg, intensiv mit etwas Sportlichem beschäftigt hat.

Wenn dieser Zeitrahmen ein längerer war oder ihr sogar richtig top in diese Sportart gewesen seid, dann ist es natürlich umso besser.

Im Gegenzug wird es dann allerdings auch immer wichtiger, dass ihr von Anfang an daran denkt, dass ihr nicht eure/euer KundIn oder AthletIn seid! Und nein, ihr tut auch nicht zwingend gut, was euch gut tut oder getan hat!

Das heißt, Powerlifting ist Powerlifting, Gewichtheben ist Gewichtheben, Leichtathletik ist Leichtathletik, CrossFit ist CrossFit u. v. m. Ich denke, mein Standpunkt ist klar.

Alles was ihr aktiv an Sport und Training betrieben habt, ist nicht mehr als ein Pfeil in eurem Köcher. Ein Pfeil mit dem ihr den Erfolg eurer AthletInnen oder KundInnen jagen könnt. Lasst diesen Pfeil bitte nicht zum sprichwörtlichen Hammer werden, durch den ihr dann nur noch Nägel seht.

Das ist für mich das Schöne an unserem Job, denn er gibt uns die Chance unglaublich viele Erfahrungen zu sammeln und trotzdem nicht unsere Zeit zu verschwenden!

Also vergesst nicht, sammelt so viele Pfeile wir ihr könnt und habt Spaß dabei. Aber vergesst nicht, dass jeder anders ist, und nicht jeder dasselbe braucht. Manche brauchen auch die Kombination aus den unterschiedlichsten Bereichen, um an ihr Ziel zu kommen.

19 – Performance Everywhere

„It’s not always possible to be the best, but it’s always possible to improve your own performance.“

Jackie Stewart

Als ich vor ein paar Jahren beschlossen habe, mich aktiv in den Bereich des Performance Trainings zu bewegen, war ich oft mit zwei Fragen konfrontiert.

1) Ist das jetzt nicht ein bissl Wortklauberei ob „Strength and Conditioning“ oder „Performance Training“ ?

und

2) Ist Performance Training nicht nur für professionelle SportlerInnen?

Für mich sind es zwei durchaus legitime Fragen, die ich im Grunde sehr schnell und einfach beantworten kann.

Ad 1) Ist es für mich nicht, denn S&C ist zwar ein Bestandteil im Performance Training, aber eben nur einer. Im Gegensatz zu den SpezialtrainerInnen (Strength, Conditioning, Speed, etc.) sollte man im Performance Bereich immer in der Lage sein, das Große und Ganze zu sehen. Für uns ist es nicht wichtig eine isolierte Variable zu verbessern (Kraft, Sprintzeit u. v. m.), sondern wir schauen in allererster Linie darauf, welche Variable führt dazu, dass sich der Output des AthletInnen auf dem Spielfeld steigert.

Was nützt es mir, wenn jemand 0,2 s schneller läuft, es aber auf dem Feld nicht schafft in eine Situation zu kommen, in der er diesen Vorteil ausspielen kann.

Ad 2) Auch hier ein klares NEIN. Warum? Na ja, weil auch die „normalen“ Menschen sehr oft daran interessiert sind ihre Performance im Alltag zu steigern. Es geht um Fortschritt und dieser kann aus jeder Situation heraus stattfinden.

Eine Kindergärtnerin in einer Krippe wird ein Problem bekommen, wenn sie nicht in der Lage ist den ganzen Tag Kleinkinder zu heben. Ein Chirurg der nach 45 min vorgeneigt Stehen Rückenschmerzen bekommt, wird es schwer haben eine 3 oder 4 Stunden OP erfolgreich zu Ende zu bringen.

Der Mitarbeiter der Müllentsorgung will vielleicht nach 8 Stunden körperlicher Arbeit noch in der Lage sein, mit seinen Kindern zu spielen und herumzulaufen.

Und hier ist es entscheidend sich die Person und ihre Lebensumstände im Gesamten anzuschauen. Mit 20 kg mehr in der Kniebeuge oder im Deadlift wird man hier langfristig nicht sehr weit kommen.

Und da sind wir auch schon beim entscheidenden Unterschied für mich. Performance Training stellt niemals eine Variable, sondern immer den Menschen in den Mittelpunkt. Das ist im Sport, egal auf welcher Leistungsstufe, und im normalen Leben immer dasselbe.

Und hier schließen wir dann schön langsam dem Kreis, denn wenn ihr alle meine Beiträge gelesen habt, dann erkennt ihr an dieser Stelle den sprichwörtlich roten Faden. Ich habe damit begonnen und ich werde auch damit Enden. Mit der fundamentalen Erkenntnis meiner letzten 20 Jahre.

Es geht immer um den Menschen…

20 – Was kann ich für dich tun

„Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage, was du für dein Land tun kannst. „

John F. Kennedy

Sollte sich unser gemeinsamer Weg nach dieser Lesson wieder trennen, dann möchte ich euch noch etwas Abschließendes mitgeben.

Wann immer ihr jemanden, den ihr nicht kennt, aber von dem ihr etwas haben wollt, und ich spreche jetzt nicht von einer Auskunft, sondern von einem tiefergehenden Austausch, kontaktiert, dann fragt immer auch was IHR für den jeweiligen tun könnt.

Gerade in unserem Job gibt es immer eine sehr große Gefahr von Einseitigkeit. Personen schreiben euch immer wieder mit einem kurzen Anliegen, das sie haben und ihr gebt ihnen immer wieder eine Antwort oder bietet Hilfestellung, aber nie kommt etwas zurück.

Nicht immer, aber in sehr vielen Fällen kann das sehr schnell zu einer Art Frustration beim „Informationslieferanten“ führen.

Ich gebe ehrlich zu, dass ich auch immer wieder in diese Falle getappt bin bzw. ich den Fehler gemacht habe, von anderen das zu erwarten, was ich an ihrer Stelle vielleicht nicht tun würde.

Ich habe mehrfach Menschen geholfen, sich vor allem beruflich einen großen Schritt weiterzuentwickeln, und am Ende blieb nicht einmal Zeit für einen Dank.

Also egal wo ihr gerade in eurer beruflichen Laufbahn steht, seid euch nie zu gut dafür zu fragen, was ihr für den Anderen tun könnt.

In diesem Sinne möchte ich mich herzlich dafür bedanken, dass ihr euch so zahlreich die Zeit genommen habt, meine Beiträge zu lesen, sie zu liken und auch immer wieder zu teilen.

Ich wünsche euch alles, alles Gute für die Zukunft, und hoffe, dass ich die eine oder den anderen von euch irgendwann auch einmal in natura kennenlernen darf.

Macht es gut und…

„Was kann ich für euch tun?“