20 lessons from the past 20 years – Teil 3 – Lesson 9-12

Überblick

Dies ist Teil 3 der Serie „20 lessons from the past 20 years“. Er beinhaltet Lesson 9-12. Die anderen Teile findest du hier:

Einleitung

„Das Ziel meiner Reise war nie ein Land oder ein Ort, sondern eine neue und offenere Art Dinge zu sehen. Das ist der Unterschied zwischen einem Reisenden und einem Touristen. Touristen wissen oft nicht wo sie waren, aber Reisende wissen meistens nicht, wohin sie gehen.“

Mathias Wiese

Ich werde euch in dieser Serie einen Einblick in die letzten 20 Jahre meiner TrainerInnentätigkeit geben. Es sind 20 Lehren, die ich aus den letzten 20 Jahren ziehen durfte oder in manchen Fällen ziehen musste. Sie sollen euch, die vielleicht noch am Anfang ihrer TrainerInnenkarriere steht, zeigen, wie vielschichtig diese Berufung sein kann, wenn ihr euch wirklich zu 100 % öffnet. Wenn ihr schon mitten drin seid, werdet ihr vielleicht merken, dass es noch so vieles mehr gibt als nur look good naked, auch wenn das natürlich immer wieder von Vorteil sein kann. In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn ihr euch immer wieder kurz die Zeit nehmt diese Beiträge lest und sie vielleicht auch teilt, damit auch andere die Chance bekommen sich das eine oder andere mitnehmen zu können.

Liebe Grüße,
Mathias

09 – Der Puppenspieler

„Wenn du mich überzeugen willst, dann musst du meine Gedanken denken, meine Gefühle fühlen und meine Worte sprechen.“

Cicero

Hier möchte ich dort fortsetzen wo ich in Lesson 8 aufgehört habe. Für diejenigen, die Lesson 8 nicht gelesen haben, es ging um den hohen Stellenwert von Zuhören in unserem Beruf. Aber wie in so vielen Bereichen des Lebens ist auch das Zuhören nur der erste Schritt in einem sehr vielschichtigen Prozess. Denn was ist der nächste Schritt?

Nachdem ihr nun gehört habt, was jemand erreichen möchte, müsst ihr euch überlegen, was das Richtige für diese Person ist und ihr müsst ihr verdeutlichen, dass es das Richtige ist.

Und genau da beginnt das ganze ein bisschen tricky zu werden!

Erst vor zwei Tagen hatte ich mit ein paar Kollegen einen sehr interessanten Austausch zu dem Thema was Training für uns ist. Besprechen wurden auch was die wichtigsten Aspekte für unsere Klientel sind und welche Erfahrungen wir in diesem Bereich gemacht haben. Und genau in diesem Gespräch ist herausgekommen, dass es in unserer Wahrnehmung einige grundlegende Unterschiede gibt. Unterschiede, die aus meiner Sicht in dieser Form gar nicht existieren sollten, die aber immer wieder als solche wahrgenommen werden.

Ich habe es im Moment ausschließlich mit jungen LeistungssportlerInnen zu tun. Am Ende des Tages haben alle dasselbe Ziel – Profi werden. Sie haben dabei noch eines gemeinsam, nämlich die Tatsache, dass sie mir blind vertrauen. Sie vertrauen darauf, dass das, was ich für sie auswähle, auch das Richtige ist, damit sie auf diesem Weg weiterkommen.

Die „normalen“ KundInnen die ich in den letzten Jahren betreuen durfte, waren da aber nie anders. Auch sie haben darauf vertraut, dass ich den besten Weg für sie kenne. Sie haben vielleicht ein wenig mehr nachgefragt, wenn es um bestimmte Teile ihres Trainings ging (Alltagstauglichkeit, Zeitmanagement etc.). Aber im Grunde haben sie mir zu 100 % vertraut und sind teilweise über Jahre hinweg diesen Weg mit mir gegangen.

Und auch hier stellt sich wieder die Frage warum?

Die Antwort lässt sich mit einem Spitznamen, den ich einmal bekommen habe, erklären. Es war vor Jahren auf einem Nachwuchstrainingslager. Da hat eine Mutter, sie war als Betreuerin mit, ein Gespräch mit mir und unserem Headcoach beobachtet. Da ich ein paar Minuten zuvor mit ihr auch schon gesprochen habe, wusste sie worum es in diesem Gespräch ging. Nach fünf Minuten war das Gespräch zu Ende und sie kam lächelnd zu mir, und sagte nur „du bist ein richtiger Puppenspieler“. Und sie hatte recht, denn ich habe es in nur fünf Minuten geschafft, das Nachmittagstraining so umzugestalten wie ich es für den Zeitpunkt für angemessen hielt. Am Ende unseres Gespräches war mein Headcoach sogar noch davon überzeugt, dass es seine Idee war.

Alle waren glücklich. Die Kids, weil sie mal eine etwas lockerere Einheit hatten, weshalb sie am nächsten Tag wieder Vollgas geben konnten. Er, weil er augenscheinlich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Und ich, weil ich meinen Willen durchgesetzt habe.

Es ist wie ich zu Beginn geschrieben habe, und das ist in allen Bereichen und Sportarten immer dasselbe Muster. Wenn ihr die Beteiligten überzeugen wollt, dann müsst ihr ihre Gedanken denken, ihre Gefühle fühlen und ihre Worte sprechen sonst habt ihr verloren.

Und genau das ist es, auch wenn ich sage, jede Sportart ist anders und muss anders bedient werden, genauso wie jede/-r KundIn anders ist.

Für alle gelten dieselben Prinzipien des Trainings, man kann bei allen dieselben Methoden anwenden und Übungen machen (natürlich angepasst an die jeweiligen Ziele und Voraussetzungen), aber was jedes Mal anders ist, ist die Art und Weise wie ihr es vermittelt und verkauft.

Viele glauben immer, es ist so leicht mit Leistungssportlern zu arbeiten. Es wäre da vieles so viel leichter als mit „normalen“ KundInnen, weil LeistungssportlerInnen oder gar ProfisportlerInnen viel motivierter wären. Bis zu einem gewissen Grad mag das vielleicht richtig sein. Aber euch muss eines bewusst sein, ihr müsst diese SportlerInnen dazu bringen, täglich 100 % da zu sein. Egal ob das Wetter schlecht ist, die Freundin oder der Freund Stress machen, oder ob vielleicht jemand im Umfeld verstorben ist.

In manchen Sportarten müsst ihr sie dazu bringen bei jedem Spielzug ihre eigenen Körper zu riskieren, und das müssen sie auch noch gerne machen. Und das alles wird nur dann klappen, wenn ihr einer von ihnen werdet – ohne dass ihr das wirklich seid.

Aus diesem Grund, legt von Zeit zu Zeit eure Trainingsliteratur zur Seite und lest auch einmal Bücher aus der Psychologie, Kommunikationswissenschaft und ähnlichen Bereichen (spannende sind zum Beispiel Bücher aus dem Bereich Verhörtechniken, Körpersprache etc.)

Wenn ihr wirklich erfolgreich sein wollt, dann reicht es nicht zu wissen wie oft man ein Gewicht bewegen muss. Ihr müsst den betreffenden auch klarmachen können, warum das jetzt wichtig wäre es so und nicht anders zu machen.

Manchmal müsst ihr eine Flamme entzünden und manchmal auch eine falsche Flamme wieder löschen. Und manchmal müsst ihr einfach wissen, welche Taste ihr bei euren AthletInnen drücken müsst, damit eure Puppen tanzen.

Anmerkung: Ihr sollt euch für diese Themen sensibilisieren und wissen wie ihr euch einfache Techniken zu nutzen machen könnt. Sobald ihr merkt, dass jemand in einem Bereich echte Defizite und oder Probleme hat, dann schickt sie bitte zu Profis! Wir sind keine PsychologInnen oder TherapeutInnen, aber wir sind für die Gesundheit unserer AthletInnen, KundInnen mitverantwortlich – merkt euch das!

10 – Planung

„Analyze your sport from top to bottom, but plan your training from bottom to top.“ 

Mathias Wiese

In den letzten Jahren war ich aufgrund meiner Vorgehensweise (nur Sportarten die ich nie gemacht habe) gezwungen, mich auf die Sportartenanalyse zu spezialisieren.

Ein Bereich, der in sämtlichen TrainerInnenausbildungen hierzulande viel zu kurz kommt. Ich kann euch auf Anhieb 3-5 Ausbildungen sagen, wo dieser Bereich gar nicht vorkommt oder er einen von 30 Bereichen darstellt, die an einem Wochenende abgearbeitet werden.

Ich vergleiche es gerne mit dem Kochen. Glaubt ihr es wäre einem Koch möglich von der mediterranen in die französische Küche zu wechseln, ohne sich zuvor genau mit der französischen Küche befasst zu haben? Ich meine ja nicht, dass man dann nicht immer offen für Neues bleiben muss, aber man muss sich im Vorhinein eine bestimmte Wissensbasis angelegt haben, um wirklich bestehen zu können.

Und das bringt mich schon zum Punkt.

Wenn ihr eine Sportart grundlegend analysiert, dann beginnt immer an der Weltspitze. Schaut euch an was dort gefordert ist! Sammelt alle Informationen, die ihr sammeln könnt, und arbeitet euch von dort aus nach unten.

Ein Beispiel – im Eishockey habe ich begonnen alles über die NHL zu lesen und zu lernen (Statistiken, Studien, Zahlen und Fakten) danach habe ich mir die besten europäischen Ligen gesucht und am Ende bin ich dann in der österreichischen Liga gelandet. Und dann explizit bei dem Verein, bei dem mein Schützling tätig war.

Als ich das Bild hatte, habe ich begonnen das Training von unten nach oben zu Planen.

Ich beginne bei der/dem AthletIn selbst und nicht bei dem wo ich vielleicht einmal hin will. Leistungsstand, Trainingserfahrung, persönliches Umfeld, Lebenssituation, Trainingsmöglichkeiten etc. Das alles sind Faktoren die zu Beginn für mich zählen.

Doch genau an dieser Stelle versagen viele „AnfängerInnen“ und auch viele schon erfahrene TrainerInnen, vor allem wenn sie selbst aus einer Sportart kommen. Sie gehen meistens vom eigenen Leistungsstand, der eigenen Erfahrung oder den eigenen Gegebenheiten aus. Das Ergebnis sind dann sehr oft Pläne, die vom KundInnen oder AthletInnen in der Form einfach nicht umsetzbar sind.

Es könnte für euch ebenfalls im Trainingsalltag ein Problem werden, wenn ihr von der falschen Basis ausgeht und dann auf einmal vom Regen in die Traufe kommt.

Wie die Traufe aussieht – na ja, ihr steht auf einmal mit 20 Männern in einer Kraftkammer die vielleicht 75-80 m² groß ist, über 3 Racks verfügt und ein paar verhungerte Kurzhanteln beherbergt. Oder ihr findet euch mit 20 Kindern und Jugendlichen in einem Gang am Tennisplatz der 30 m lang und 1,55 m breit ist, dort sollt ihr Athletiktraining machen. Ja ich habe diesen Fehler schon das eine oder andere Mal gemacht.

Also analysiert ausgiebig und plant immer mit dem, was ihr zur Verfügung habt oder haben werdet, und wenn ihr das im Vorfeld nicht wisst, dann habt immer einen Plan B und C zur Sicherheit.

11 – Wissen wo man hingehört – Teil 1

„Schuster bleib bei deinen Leisten.“ 

Plinius der Ältere

Wenn es um das Thema „Wissen wo man hingehört“ geht, muss ich ehrlicherweise ein wenig aufpassen, dass ich mich nicht in einen Rant hineinschreibe. Aus diesem Grund teile ich es auf zwei oder drei Teile auf. Mal schauen wo wir hinkommen.

Eine Frage zu Beginn – Wer ist der NFL Coach mit den meisten Super-Bowl-Titeln?

Jetzt werden ein paar unter euch aufschreien und sagen, klar das ist Bill Belichick. Ja das stimmt, aber habt ihr auch gewusst, dass Mike Woicik ebenso 6 Super Bowl Ringe besitzt – alle als Strength Coach gewonnen. Er hat seinen 6. Ring in dem Jahr gewonnen in dem Belichick seinen 3. gewann.

Mike Woicik verfügt über 40 Jahre Strength and Conditioning Erfahrung davon knapp 30 Jahre in der NFL.

Er ist eine wahre Legende auf unserem Gebiet und trotzdem bin ich mir sicher, dass sehr viele von euch seinen Namen jetzt gerade zum ersten Mal gehört haben.

Aber warum ist das so? Ganz einfach, weil es unser Beruf ist im Hintergrund zu bleiben. Wir, im athletischen, therapeutischen etc. Bereich, stehen nicht ganz vorne. Das werden wir auch nie und das ist auch gut so. Vielleicht sieht man uns einmal kurz im TV während eines Spiels, aber das war es dann auch schon.

Ich persönlich finde es gut so, denn meine Leistung wird nicht an den Ergebnissen gemessen. Meine Arbeit wird nicht in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt und ich bin es auch nicht, der für alle Fehler die Verantwortung übernehmen muss.

Mir ist es erlaubt Fehler zu machen und diese auch wieder auszubügeln ohne das es gleich in der Zeitung steht oder im TV gezeigt wird. Meine Zunft kann in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen und dafür bin ich sehr dankbar!

Zugegeben, man muss sein Ego ein wenig hinten anstellen, aber mir der Dank meiner AthletInnen viel, viel mehr Wert, als eine Erwähnung in der Zeitung oder anderen Medien.

Leider beobachte ich heutzutage immer mehr, dass viele Coaches glauben, sie müssen sich aus Werbegründen vor ihre AthletInnen stellen und selbst ins Rampenlicht. Ständig werden unzählige Videos zu allen möglichen Themen veröffentlicht und schön langsam frage ich mich wirklich, ob alle diese Coaches überhaupt mit realen KundInnen arbeiten.

Versteht mich nicht falsch, ich weiß wie wichtig es ist sich zu vermarkten. Mir ist auch durchaus bewusst, dass ich mehr Geld verdienen könnte, wenn ich mich mehr vermarkten würde, aber wozu?

Mir geht es nicht und mir ging es nie ums Geld – ich meine hätte ich jemals wirklich reich werden wollen, dann wäre ich nicht Trainer geworden!

Mir geht es darum die Träume meiner AthletInnen zu verwirklichen, oder zumindest ihnen dabei zu helfen. Und das geht am besten aus dem Hintergrund heraus.

Und jetzt ehrlich! Habt ihr das Sandmännchen schon einmal bei der Arbeit gesehen?

 

12 – Wissen wo man hingehört – Teil 2

„Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst. Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.“

Konfuzius

oder

„Schuster bleib bei deinen Leisten.“ – Teil 2

Ich muss mich gleich zu Beginn entschuldigen, denn ich werde den Rant nicht mehr vermeiden können. Vor allem entschuldige ich mich jetzt schon für meine leicht ausfällige Ausdrucksweise. Des Weiteren ist diese Post kein Bashing gegen eine bestimmte Berufsgruppe – es ist ein Bashing gegen Kompetenzüberschreitung. Dieses ist absolut unabhängig von der Berufsgruppe.

Ich möchte etwas ansprechen, dass ich schon von Anfang meiner Laufbahn an verstanden habe, aber allem Anschein nach sehr viele da draußen einfach nicht verstehen wollen.

Wir müssen uns einfach immer wieder bewusst machen, wer wir sind, was wir wissen und was wir tun.

Ein Beispiel – einer meiner Athleten knöchelt im Training um – nicht nur ein bissl, sondern richtig – auf einer Hürde gelandet und umgeknickt. Nach ein paar Schritten wird es besser, aber der Knöchel schwillt sofort an und wird auch relativ schnell blau. Wir könnten sagen „klassisch“ und aufgrund meiner Erfahrung kann ich ihm gleich mal sagen, was er machen muss.

Beispiel zwei, ein Sportmasseur – zugegeben ein wirklich guter – ertastet mit seinen, nennen wir sie mal „magic hands“ einen Fasereinriss im Hamstring. Die Begründung – weil der Athlet ein komisches Gefühl und Probleme dabei hat, das gestreckte Bein in Rückenlage hochzuheben. Klingt eigentlich ganz gut und in beiden Beispielen wissen wir was wir zu tun haben.

Shit NO!! Bin ich ein scheiß MRT oder noch besser habe ich Röntgenaugen?! Nein, das habe ich nicht! Und nein, das hast auch DU nicht. In Beispiel 1 wäre ich weit weg gewesen, denn der Knochen im Fuß war gesplittert – Operation. Beispiel 2 – war nicht der Hamstring, war die Bandscheibe im Rücken.

So, also wenn ihr keine RadiologInnen, NotfallmedizinerInnen oder keine Ahnung was seid, dann schickt die Leute zu ÄrztInnen! Google ist kein Medizinstudium. Es hilft euch nicht mal die scheiß Aufnahmeprüfung dafür zu bestehen.

Nur weil ihr bei einer Academy ein Wochenende ein paar Leuten zuhört, seid ihr noch keine NeuroathletiktrainerInnen – der Begriff alleine ist schon irreführend. Vor allem dann, wenn die Vortragenden teilweise selbst nicht mal eine einzige Grundausbildung im Bereich Neurologie besitzen.

In nicht einmal 20 Stunden Nettozeit werden Neuroanatomie, Neurotransmitter, Neuroprofiling etc. und so viel mehr gelehrt, dass man sich am Ende „TrainerIn“ nennen kann.

Ein kleiner Tipp – „Principles of Neural Science“ von Eric Kandel und Kollegen – Grundlagenwissen Neurologie auf knapp 1800 Seiten. Ok ich habe es nur nebenbei gelesen und ich bin jetzt vielleicht auch mehr Pinky als Brain. Nach ca. 15 Monaten Lesezeit habe ich nur durch dieses Buch verstanden, dass ein Großteil der derzeitigen Neuroathletikausbildungen und die Behauptungen dahinter nicht funktionieren. Denn selbst das was funktioniert, kann sicherlich nicht nach einem Wochenende verstanden und seriös angewendet werden. Würde man solche Geschichten, egal in welchem Bereich, Fortbildung oder Seminare nennen, wäre es ja vollkommen ok. Aber nach einem Wochenende jemanden rauszuschicken und sie/ihn dann als TrainerIn zu bezeichnen, sprich ihr/ihm zu suggerieren sie/er hätte jetzt das Rüstzeug, um jemanden zu trainieren oder zu beraten, ist einfach nur fahrlässig und unseriös.

Und hier haben wir genau das Problem – ein System funktioniert meistens nur, wenn es bestimmte Spielregeln gibt. Und leider ist der Sportbereich ein System in dem es viel zu wenig Regeln gibt – vor allem im Trainingsbereich. Da kann man sich selbstständig machen, ohne irgendeine Art von Ausbildungsnachweis zu haben. Ja, ich weiß nur zu gut, dass ein Zeugnis gar nichts bedeutet da es dann wieder keine Qualitätssicherung in den Ausbildungen gibt. Aber es würde mir zumindest einmal zeigen, dass sich der- oder diejenige über längere Zeit mit einer Thematik auseinandergesetzt hat. Aus diesem Grund akzeptiere ich auch keinerlei Ausbildungsnachweise von Einrichtungen, wenn sie nicht mindestens 50 Stunden Nettokurszeit umfasst.

Und selbst dann sollte euch klar sein, ihr müsst immer weiter lernen. Egal in welchem sagen wir mal naturwissenschaftlich angehauchten Bereich ihr arbeiten wollt – ihr werdet bis zum Ende eures Berufslebens lernen müssen. Wenn ihr das nicht tut, werdet ihr auf der Strecke bleiben oder ihr werdet zur Gefahr für eure KundInnen, PatientInnen oder AthletInnen.

Das heißt, wenn ihr TrainerIn werden wollt, startet mit den notwendigen, staatlichen Ausbildungen (auch wenn sie vielleicht nicht qualitativ die besten sind) und bildet euch weiter. Wollt ihr SportwissenschaftlerIn, ÄrztIn, NeuroexpertIn, ImmunologIn oder VirologIn, PsychologIn oder sonst was werden – geht auf die Universität und studiert. Habt ihr keine Matura – passt, macht sie nach und studiert dann. Habt ihr keine Zeit dafür oder habt eigentlich eh keine Lust drauf – passt auch. Ich bin auch kein Finanzexperte, Wirtschaftsmathematiker oder Astrophysiker. Sucht euch etwas, dass für euch machbar ist und findet euch damit ab, dass ihr in anderen Bereichen eben keine Expertise abgeben könnt und sollt.

Ich habe mich auch damit abgefunden und habe begonnen mir ein Netzwerk aus genau diesen Profis zu schaffen.

Ich habe Physios, MedizinerInnen, ErnährungswissenschaftlerInnen oder DiätologInnen, LeistungsphysiologInnen u. v. m. in meiner Telefonliste. Profis zu denen ich jederzeit meine AthletInnen schicken kann, wenn es das eine oder andere Problem gibt.

Sollte jemand bei dieser Thematik anderer Meinung sein – verstehe ich, kann ich nachvollziehen und respektiere ich auch. Aber stellt euch doch bitte mal folgende Frage:

„Appendizitis beginnt meistens als krampfartiger Schmerz in der Nabelregion. Der Blinddarm liegt aber eher unten rechts und nicht in der Mitte – genauer gesagt ist seine Position sogar variabel – über das Zökum bis ins kleine Becken.“

Würdet ihr euch jetzt von mir den Blinddarm entfernen lassen?

Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal euren KundInnen mit den Augen Liegestütz (Anm. „Pencil Push-up„) machen lasst.