20 lessons from the past 20 years – Teil 2 – Lesson 5-8

Überblick

Dies ist Teil 2 der Serie „20 lessons from the past 20 years“. Er beinhaltet Lesson 5-8. Die anderen Teile findest du hier:

Einleitung

„Das Ziel meiner Reise war nie ein Land oder ein Ort, sondern eine neue und offenere Art Dinge zu sehen. Das ist der Unterschied zwischen einem Reisenden und einem Touristen. Touristen wissen oft nicht wo sie waren, aber Reisende wissen meistens nicht, wohin sie gehen.“

Mathias Wiese

Ich werde euch in dieser Serie einen Einblick in die letzten 20 Jahre meiner TrainerInnentätigkeit geben. Es sind 20 Lehren, die ich aus den letzten 20 Jahren ziehen durfte oder in manchen Fällen ziehen musste. Sie sollen euch, die vielleicht noch am Anfang ihrer TrainerInnenkarriere steht, zeigen, wie vielschichtig diese Berufung sein kann, wenn ihr euch wirklich zu 100 % öffnet. Wenn ihr schon mitten drin seid, werdet ihr vielleicht merken, dass es noch so vieles mehr gibt als nur look good naked, auch wenn das natürlich immer wieder von Vorteil sein kann. In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn ihr euch immer wieder kurz die Zeit nehmt diese Beiträge lest und sie vielleicht auch teilt, damit auch andere die Chance bekommen sich das eine oder andere mitnehmen zu können.

Liebe Grüße,
Mathias

05 – Evaluiere dein Handeln

„Zeige einem schlauen Menschen einen Fehler und er wird sich bedanken. Zeig einem dummen Menschen einen Fehler und er wird die beleidigen.“

Laozi

Ich möchte noch einmal ganz kurz die beiden letzten Themen (Emotion und Fehler) aufgreifen. Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: für mich sind Fehler etwas wünschenswertes (sofern dabei niemand ernsthaft zu Schaden kommt). Sie geben einem eine faire Chance daraus zu lernen und vor allem besser zu werden. Das tun sie allerdings nur dann, wenn man auch die notwendige Bereitschaft zur Selbstreflexion besitzt. Ihr müsst dabei auch bereit sein eurem eigenen „Versagen“ in die Augen zu schauen. Das ist für viele bekanntlich nicht so einfach. Für mich übrigens auch nicht.

Aus diesem Grund versuche ich wann immer es geht und nötig ist, meine Trainings sowie meine lang- und auch kurzfristigen Planungen zu evaluieren und auf eventuelle Schwachstellen zu prüfen.

In meinen Anfängen habe ich das auch nicht gemacht. Damals war es für mich eigentlich selbstverständlich, dass meine KundInnen oder auch AthletInnen ihre Pläne so lange machen, bis es keinen Fortschritt mehr gab. Natürlich hat das bei den meisten ganz gut funktioniert bzw. war für das Erreichen der jeweiligen Ziele ausreichend.

Und obwohl das im Grunde ganz gut geklappt hat, haben sich dann doch immer wieder kleine Überlastungserscheinungen, unüberwindbare Platos oder in manchen Fällen auch ganz banale Langeweile eingeschlichen.

Da begann ich zum ersten Mal wirklich die Wichtigkeit von Trainingsaufzeichnungen zu verstehen. Was will ich überprüfen, wenn ich nichts aufgezeichnet habe? Wie sollen meine AthletInnen nach 10-12 Wochen wissen, was sie in Woche 2 gemacht hat, wenn sie es nicht protokolliert hat.

Mir ist bewusst, dass diese Dinge für die meisten von euch Coaches völlig klar sind. Bei euren KundInnen und auch AthletInnen ist dies in sehr oft nicht der Fall.

Viele unterschätzen die Wichtigkeit diverser Informationen wie Tagesverfassung, Motivation, Schmerzen, Schlaf, Privates etc. Es gibt so viele Faktoren, die den Trainingsprozess lang- und auch kurzfristig extrem positiv oder negativ beeinflussen können.

Wenn ich dann nach Wochen lese – 3 × 10 mit 60 kg – denke ich mir wow, super, aber was soll ich jetzt damit Anfangen, wenn ich den Kontext nicht kenne. Vielleicht war es so einfach wie nie und vielleicht war es an dem Tag die Hölle.

Aus diesem Grund überlegt euch welche Faktoren für euch die wichtigsten sind, wenn es darum geht Trainingspläne im Nachhinein auf bestimmte Faktoren zu evaluieren – z.B. auf Überlastungen. Wenn ihr diese Faktoren ausgewählt habt, dann verlangt von euren AthletInnen auch die genaue Protokollierung!

In diesem Zusammenhang sind auch Emotionen ein wichtiger Faktor! So wie ich in Lesson 4 geschrieben habe, können Emotionen extreme Verstärker sein (positiv wie negativ). Aus diesem Grund evaluiert nie im Rausch der Emotionen. Ihr werdet entweder alles total super finden (Sieg) oder sehr viel sehr schlecht (Niederlage) und vielleicht war es ja gar nicht so gut oder schlecht!?

Aus diesem Grund habe ich es mir angewöhnt immer schon im Vorfeld eines großen Spiels oder eines Kampfes zu evaluieren. Zu meinen Footballzeiten habe ich meistens am Abend oder in der Nacht vor unserem letzten Spiel, die vergangene Offseason und Season evaluiert habe. Somit konnte ich sicherstellen, dass ich im Siegestaumel oder in der Trauerstimmung nicht irgendetwas nicht beachten würde.

Am Abend bzw. in der Nacht nach dem Spiel habe ich mich dann hingesetzt und habe die nächste Vorbereitung geplant.

Und wenn ihr euch jetzt fragt – nein ich war nie auf einer Siegesfeier – warum? „Players party – Coaches coach“ ganz einfach.

Aber dazu an anderer Stelle etwas mehr. In diesem Sinne wünsche ich einen stressfreien und ruhigen letzten Tag vor Weihnachten. (Anm.: ursprüngliche Veröffentlichung 23.12.2020) Evaluiert und analysiert eure Pläne so oft ihr könnt, denn dann bleibt euch im Arbeitsalltag eine Menge an Stress erspart!

06 – Dankbarkeit

„Dankbarkeit ist das Gefühl, wenn sich das Herz erinnert.“

Es ist gar nicht so lange her, dass mich einer meiner jungen AthletInnen gefragt hat, ob ich demütig sei. Ich habe mir in den letzten Wochen viele Gedanken dazu gemacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mir eigentlich die Frage stellen müsste, ob ich ein dankbarer Mensch bin?

In der Vergangenheit war ich oftmals vom Erfolg sehr getrieben. Ich habe sehr wenig zurückgeschaut und war eigentlich immer auf dem Sprung zum Nächsten, was man auch gut meinem Lebenslauf entnehmen kann. Es gab eine Phase in meinem Leben, in der ich keinen Job länger als 3 Jahre gemacht habe. Ständig war ich auf der Suche nach der nächsten Aufgabe. Ich bin natürlich noch immer der Meinung, dass es für meine Entwicklung positiv war. Inzwischen habe ich festgestellt, dass ich dadurch einiges vergessen oder auch übersehen habe. Wir erliegen in der heutigen Zeit, nicht zuletzt wegen ihrer gnadenlosen Schnelligkeit, viel zu oft Irrtümern. Diese werden uns oft erst viel später oder manchmal auch erst viel zu spät bewusst. Ja auch mir, oder sollte ich besser sagen, gerade solchen Menschen wie mir?!

Solltet ihr euch jetzt fragen, um welchen Irrtum es sich in meinem Fall handelt – der Irrtum zu glauben es sei mein Verdienst, dass ich beruflich dort stehe wo ich heute bin. (Das ist natürlich nicht der einzige Irrtum, dem ich erlegen bin, aber der passt am besten hier her!)

Ich wäre heute beruflich nicht dort wo ich bin, wenn es nicht unglaublich viele unterstützende Menschen in meinem Leben gegeben hätte, und auch noch immer gibt. Sie haben mir diesen Weg ermöglicht. Ich möchte euch kurz diesen Weg zeichnen und entschuldige mich jetzt schon bei allen, die ich jetzt aufgrund der Kürze der Zeit nicht erwähnen kann.

Am Anfang stehen meine Eltern, die von mir nie verlangt haben, dass ich in irgendeine bestimmte berufliche Richtung gehen muss. Sie hatten immer das Vertrauen in mich, dass ich meinen Weg schon finden würde. Meine erste Chefin Claudia Berger, die mir den Sprung ins kalte Wasser erlaubt hat, und mich damals von heute auf morgen zum Fitnesstrainer gemacht hat. Danach hat mich Dariusz Tomaszewski direkt aus der InstruktorInnenausbildung ins John Harris geholt. Dort hat mich mein damaliger Chef Marc Prodinger frei arbeiten lassen und mir Raum für meine Entwicklung ermöglicht.

Der nächste große Schritt war mein wirklicher Einstieg in den Mannschaftssport, durch meine Anstellung bei den damals Raiffeisen Vikings. Dort haben mir die Herren Zivko, Wurm, Hoppel und Calaycay das Vertrauen geschenkt mich in ihre Runde zu lassen. Einen Trainer, der komplett blank war, wenn es um Football ging.

Und auch heute, oder gut sagen wir vor ein bisschen mehr als einem Jahr, wurde mir wieder das Vertrauen geschenkt. Wieder hat sich jemand, in diesem Fall Johannes Ernst, für mich eingesetzt und dafür gesorgt, dass ich einen Platz im Leistungssport Austria Team bekomme. Ein Team, welches mich ohne Vorbehalte sofort sehr herzlich aufgenommen hat. Und glaubt mir, nach 20 Jahren weiß ich, dass das in dieser Branche keine Selbstverständlichkeit ist.

Ich bin allen diesen Menschen sehr dankbar. Dankbar dafür, dass sie mir diesen meinen Weg ermöglicht haben. Dafür, dass sie immer vertrauen in mich und meine Arbeit hatten und hoffentlich noch haben werden. Ich bin allen AthletInnen und KundInnen dafür dankbar, dass sie mit mir arbeiten und gearbeitet haben und mir ihren Körper, ihre Leiden und auch ihre Karrieren anvertraut haben.

Danke an euch, die ihr diese Zeilen und lest und meinen doch eher seltenen Beiträgen Beachtung schenkt.

Aber woher kam diese Einsicht? Durch meine beiden Kinder, die sehr viel an meiner Einstellung zum Leben und zu meiner Arbeit verändert haben. Vor allem aber wurde mir durch die beiden bewusst, dass wie bei fast allem in meinem Leben, mein Beitrag im Verhältnis zum großen Ganzen, ein nur sehr kleiner war. Aus diesem Grund bin ich auch hier dankbar dafür, eine so wundervolle Frau und liebende Mutter, die mir diese beiden unglaublichen Jungs geschenkt hat, an meiner Seite zu haben.

Also lehnt euch heute nach dem Trubel der Feiertage kurz zurück, und schaut einmal wem euer Dank gebührt. (Anm.: ursprüngliche Veröffentlichung 27.12.2020)

In diesem Sinne ende ich mit dem Anfang, „Dankbarkeit ist das Gefühl, wenn sich das Herz erinnert.“

07 – Der Sprung ins kalte Wasser

„Man muss das Wasser nicht verstehen, um Kopf voran hineinzuspringen.“ 

Robert Seethaler

Wie bereits in Lesson 6 erwähnt, habe ich meinen ersten Job als Fitnesstrainer von heute auf morgen bekommen. Ja es war wirklich so, dass ich gefragt wurde, ob ich es mir zutrauen und gerne machen würde. Nach meiner Zusage dauerte es noch drei Tage und ich durfte meinen ersten Dienst antreten. Ich sollte 5 min vorher dort sein. Eine kurze Erklärung wo der Sicherungskasten war, wie man ihn öffnet und wer im Haus meine Kontaktpersonen im Notfall sind und dann stand ich da. „Den Rest wirst du eh im laufenden Betrieb sehen…“ Das waren die letzten Worte des Kollegen bevor er seinen Dienst beendete.

Die Zeiten haben sich zu damals deutlich geändert. Wenn ich bedenke, dass ich mein gesamtes Wissen zu diesem Zeitpunkt aus ein paar Büchern über Training und meiner eigenen Trainingserfahrung hatte, dass ich damit heute in keinem ernstzunehmenden Betrieb mehr eine Anstellung bekommen würde (wohlgemerkt ernstzunehmend). Heute muss man schon einiges an Ausbildungen vorweisen können – auch wenn die Qualität dieser meistens nicht hinterfragt wird – um einen Job im Sportbereich zu bekommen. Wenn ich von der Fitnessbranche einmal absehe, dann sprechen wir schon zumindest von einem Studienabschluss oder einem staatlichen Trainerdiplom.

Je besser die formalen Qualifikationen, desto höher sind die Chancen einen Job zu bekommen.

Was ich allerdings auch in den letzten Jahren gelernt habe – glaubt mir ich habe einige „Junge“ von der Uni oder anderen Ausbildungsinstituten gesehen – der Sprung ins kalte Wasser ist noch niemandem erspart geblieben. Warum das so ist? Na ja, es gibt bis heute keine mir bekannte Ausbildung, die einen wirklich auf das vorbereitet, was man dann in der Realität erlebt. Keiner bereitet einen darauf vor, wie man Gruppen von 10, 15 oder 20 Personen im Gym gleichzeitig trainiert. Keiner bereitet einen darauf vor, was passiert wenn ein Mannschaftsmitglied tödlich verunglückt. Keiner lehrt einem wie man sein Ego hinten anstellt, weil es in diesem Geschäft nun mal nicht um das eigene Ego, sondern um den Erfolg der AthletInnen oder der Mannschaft geht. Niemand sagt dir im Vorfeld, wie man mit dem nahezu täglich herrschenden Druck umgehen soll, mit der Tatsache, dass man sich eigentlich keinen Fehler leisten darf – auch wenn man weiß, dass sie passieren werden.

Vielleicht machen sie es nicht, weil sie es selber nicht wissen. Viele der lehrenden Personen in diesem Land kommen nicht aus der Praxis oder sind schon sehr lange nicht mehr Teil davon. Einige kommen zwar aus der Praxis, wurden aber vielleicht nie mit solchen Dingen konfrontiert. Und ein paar Wenige gibt es sicher auch, die es deshalb nicht tun, weil sie dann zugeben müssten, dass sie doch nicht auf alles eine Antwort haben. Wie und warum werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Aber eines kann ich euch sagen, egal wie gut ihr ausgebildet seid und egal was ihr alles gelernt habt, der Sprung ins kalte Wasser wird euch nicht erspart bleiben, also springt einfach hinein – auch wenn ihr am Zweifeln seid.

Um es auf den Punkt zu bringen, fühlt euch nie so sicher, dass ihr Eventualitäten belächelt. Habt Vertrauen in euer Wissen, aber seid auch bewusst das es Situationen geben wird, in denen euch euer Wissen keinen Schritt weiter helfen wird. Und zu guter Letzt, wenn ihr einmal in einer solchen Situation seid, seid euch nicht zu gut und fragt jemanden mit mehr Erfahrung um Hilfe! Auch wenn es ältere SpielerInnen oder AthletInnen sind, denn die haben manchmal auch schon mehr als ihr gesehen.

08 – Zuhören

„Wenn Reden Silber und Schweigen Gold ist, dann ist Zuhören definitiv Platin.“

Egal in welchem Bereich des Sportes ich bisher gearbeitet habe, es war immer das gleiche Muster zu erkennen. Am Anfang musste ich mich als Trainer präsentieren, zeigen was ich weiß, zeigen welche Erfahrungen ich in den diversen Bereichen habe. Kurz gesagt, ich musste mich immer „verkaufen“. Das ändert sich dann allerdings schlagartig, wenn man (ich) dann zum ersten Mal mit der/dem KundIn oder AthletIn zusammentrifft. Und genau das vergessen leider sehr viele TrainerInnen heutzutage noch immer. Ich habe es zu Beginn meiner Tätigkeit auch völlig ignoriert.

Ein/-e TrainerIn muss dem KundInnen oder dem AthletInnen nicht mehr zeigen oder gar beweisen wie gut sie/er ist. Man muss seinen Schützlingen nicht ständig zutexten und mit Fachbegriffen eindecken, nur um zu beweisen wie kompetent man ist.

Für mich ist genau das Gegenteil entscheidend! Ein/-e gute/-r TrainerIn stellt die richtigen Fragen zur richtigen Zeit und noch viel wichtiger sie/er kann offen und vorbehaltlos zuhören. Sie/Er respektiert die Wünsche und Vorstellungen ihres/seines Schützlings und versucht diesen auch gerecht zu werden.

Ich sage jetzt nicht, dass ihr alles machen müsst, was man von euch will, denn ich weiß was für einen Schwachsinn manche Leute von einem wollen.

Aber ich sage, dass nicht jeder „Nackt gut aussehen“, „einen Powerliftingrekord“ aufstellen, einen Marathon laufen oder gar die Figur eines Models bekommen möchte.

In der Arbeit mit unterschiedlichen KundInnen oder AthletInnen ist es völlig egal aus welcher sportlichen Richtung ihr kommt. Es ist im Grunde auch völlig egal wie ihr für euch Training seht und definiert. Das Einzige was zählt ist, dass ihr eurem KundInnen oder AthletInnen helft (näher) an ihre Ziele zu kommen!

Verlasst die Blase, in der ihr euch befindet und hört zu, macht euch Notizen und bewertet nicht. Sammelt alle Informationen, die notwendig sind, und macht euch ein Gesamtbild. Erst dann entscheidet ihr welchen Weg ihr eurem Schützling vorschlagt. Den richtigen Weg müsst ihr gemeinsam finden.