20 lessons from the past 20 years – Teil 1 – Lesson 1-4

Überblick

Dies ist Teil 1 der Serie „20 lessons from the past 20 years“. Er beinhaltet Lesson 1-4. Die anderen Teile findest du hier:

Einleitung

„Das Ziel meiner Reise war nie ein Land oder ein Ort, sondern eine neue und offenere Art Dinge zu sehen. Das ist der Unterschied zwischen einem Reisenden und einem Touristen. Touristen wissen oft nicht wo sie waren, aber Reisende wissen meistens nicht, wohin sie gehen.“

Mathias Wiese

Ich werde euch in dieser Serie einen Einblick in die letzten 20 Jahre meiner TrainerInnentätigkeit geben. Es sind 20 Lehren, die ich aus den letzten 20 Jahren ziehen durfte oder in manchen Fällen ziehen musste. Sie sollen euch, die vielleicht noch am Anfang ihrer TrainerInnenkarriere steht, zeigen, wie vielschichtig diese Berufung sein kann, wenn ihr euch wirklich zu 100 % öffnet. Wenn ihr schon mitten drin seid, werdet ihr vielleicht merken, dass es noch so vieles mehr gibt als nur look good naked, auch wenn das natürlich immer wieder von Vorteil sein kann. In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn ihr euch immer wieder kurz die Zeit nehmt diese Beiträge lest und sie vielleicht auch teilt, damit auch andere die Chance bekommen sich das eine oder andere mitnehmen zu können.

Liebe Grüße,
Mathias

01 – Es geht immer um den Menschen

„Coaching gives one a chance to be successful as well as significant. The difference between those two is that when you die, your success comes to an end. When you are significant, you continue to help others be successful long after you are gone. Significance lasts many lifetimes. That’s why people lead, and why people coach. As I leave the field of play, I enjoy the feeling of being a winning coach. But more important, I hope that I have been a person of significance in the lives of these young men.“ 

Lou Holtz

In meinen Anfängen als junger Fitnesstrainer, war das Wichtigste für mich, dass meine KundInnen die Fittesten und Stärksten im Gym waren. Jeder und jede sollte sehen was für ein unglaublich kompetenter Trainer ich bin, und was ich alles aus meinen KundInnen herausholen kann. Das Studio war für mich eine riesige Spielwiese, auf der sich lauter Testkaninchen befanden. Natürlich war ich immer darauf bedacht, keinen Blödsinn zu machen und niemand wurde zu irgendeinem Zeitpunkt gefährdet. Aber ich muss trotzdem zugeben, dass für mich, der Erfolg meiner Trainingsmethoden und nicht die KundInnen im Vordergrund stand.

Mein übergeordnetes Ziel war aber immer schon der Leistungssport. Nach ein paar Jahren und einigen Fitnessstudios unterschiedlicher „Qualität“ bin ich dann, im American Football gelandet. In dieser Zeit hat sich für mich so gut wie alles geändert. Ich bin dort hingekommen als völlig Fremder, der in seinem Leben noch nie mit diesem Sport in Kontakt gekommen war. Ich hatte noch nie eine Mannschaft betreut, oder mit so großen Gruppen (bis zu 20 Jungs gleichzeitig) trainiert.

Trotzdem haben mir alle Jungs aus irgendeinem Grund unglaubliches Vertrauen entgegengebracht. Vom ersten Moment an haben sie zu 100 % an das geglaubt was wir gemacht haben. Sie haben darauf vertraut, dass ich sie wieder nach vorne bringen kann, und dieses Vertrauen hat zum ersten Mal so ein Gefühl in mir entstehen lassen. Wobei es Gefühl nicht trifft, es war mehr eine Gewissheit. Die Gewissheit, dass es nicht darum geht, wer oder was ich bin. Es ging um diese Jungs und wie ich ihnen dabei helfe, ihre Träume und Ziele zu erreichen. Ich war nicht mehr daran interessiert, was ich lesen und lernen könnte damit ich allgemein ein besserer Trainer werde. Ich habe mich nur noch mit Dingen befasst, die dabei geholfen haben, dass meine Jungs bessere Footballspieler werden. Sie wurden zu „meinen“ Jungs, und ich weiß, wie pathetisch es klingen mag, aber sie wurden zu meinen kleinen Brüdern (viele von den ganz Jungen im Nachwuchs hätten auch schon meine Kinder sein können). Sie waren meine Familie und für mich sind sie es 6 Jahre danach noch immer.

Meine Ziele waren es immer sie, sofern es in meiner Hand lag, vor dem Böses (Verletzungen) zu schützen und ihnen bei dem Erreichen ihrer Ziele zu helfen egal ob auf oder abseits des Feldes. Und wisst ihr was: The score took care of itself und die Erfolge kamen. Als ich dann wieder in den Fitnessbereich zurückgegangen bin, war für mich klar, dass es um die Menschen geht. Nicht darum wie viele KundInnen ich gewinne, die würden schon von selbst kommen. Es ging und geht bis heute darum die Menschen zu sehen, und das was sie wollen und brauchen. Ich habe dann sehr viel mit älteren Menschen gearbeitet – eine Dame Ende 60 – mehrfache Bandscheibenvorfälle HWS wie LWS – zweimal den Krebs besiegt hat nach 3 Jahren hartem Training 10 saubere Liegestütz geschafft. Sie hat ihr Körpergewicht in der Kniebeuge bewältigt und konnte wieder Badminton spielen. Ein knapp 80-jähriger, der vier Jahre nach einem heftigen Schlaganfall (Sprachverlust, rechtsseitige Lähmungen etc.) wieder so weit war, mit seiner Frau wandern zu gehen. Auf dem Tennisplatz konnte er mit mir ein paar Bälle im Kleinfeld schlagen – das war sein größter Wunsch. Es stimmt, was ich weiter oben geschrieben habe – ich selbst kann mich schon gar nicht mehr an alle Siege meiner AthletInnen erinnern. Kein Mensch weiß mehr wie lange meine Footballjungs in den Jahren 2012/13/14 ungeschlagen waren, und auch ich werde es bald vergessen haben. Aber ich werde bis zum Ende meines Lebens stolz auf meine Jungs und Mädels sein, egal wie alt sie sind und waren, egal was sie gewonnen haben. Ich bin stolz darauf was sie im Sport und in ihrem Leben geleistet haben. Einige sind mittlerweile LehrerInnen oder JuristInnen, haben Studien beendet, haben Familien gegründet u. v. m. Ein paar sind auch TrainerInnen geworden vielleicht auch ein bisschen durch mich.

Ich hatte immer das Gefühl, in meinem Umfeld gibt es nur sehr wenige Menschen von denen ich fachlich etwas lernen könnte (und ich weiß wie überheblich das klingt – aber bissl war es schon so). Dabei habe ich auf all die Menschen vergessen, von denen ich menschlich etwas lernen konnte, und diesen Menschen bin ich unendlich dankbar!

Ich hoffe, ich konnte es auf den Punkt bringen –

„They do not care how much you know, until they know how much you care“

Theodore Roosevelt

Öffnet euch euren KundInnen, mit Bedacht und nicht jeder und jedem, das ist klar. Aber öffnet euch, denn Erfolg ist vergänglich und nur auf Zeit gepachtet. Die Medaillen, die ich bekommen habe, liegen seit Jahren im Keller. Die Erfahrungen, die ich mit allen diesen Menschen sammeln durfte, der Stolz und alle diese Erinnerungen, sind in meinem Herzen, und machen mich zu dem was ich heute bin. Ein offener dankbarer Mensch, ein liebender Vater und ziemlich sicher auch ein besserer Trainer.

In diesem Sinne, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt bis hierher zu lesen!

02 – Wenn du … nicht selbst aktiv gemacht hast, wirst du nie ein…

„Sometimes the only thing standing between you and your goal is the bullshit story someone keeps telling you.“

Es gibt immer wieder Menschen in eurem Umfeld, die euch erklären werden, dass ihr aus genau diesem einen Grund euer Ziel, nie erreichen werdet.

In meinem Bereich ist es meistens ein klassisches Argument. „du kannst nur ein guter Trainer in dieser Sportart werden, wenn du diese Zuvor auf einem bestimmten Niveau selbst ausgeübt hast.“

Im internationalen Sport gäbe es genügend Beispiele dagegen. Diese sind für manche jedoch zu weit weg und nicht greifbar. Aus diesem Grund nehme ich mich selbst!

Die Sportart die ich für mich in meiner Jugend gewählt habe, oder vielleicht sollte ich sagen, die mein Freundeskreis für mich gewählt hat, war Fußball. Ich glaube, ich habe diesen Sport auch über Jahre hinweg ganz gut gemacht, auch wenn es nie zum Profi gereicht hätte.

Als ich mich dann später für eine berufliche Laufbahn im Sportbereich mit dem Endziel Spitzensport entschieden habe, war für mich von Anfang an klar, dass ich mich vom Fußball fernhalten würde. Warum? Weil ich nicht unbewusst das wiederholen wollte, was ich selbst immer machen musste.

Aus diesem Grund habe ich mir immer Sportarten gesucht, die ich selbst nie ausgeübt oder mit denen ich nur sehr wenig Kontakt hatte.

War das immer leicht? Nein natürlich nicht, aber ich war jedes Mal gezwungen mich von null an mit diesem Sport zu befassen. Ihn zu analysieren, ihn mit meinen Erfahrungen abzugleichen und ihn gegebenenfalls auch zu probieren.

Ich habe teilweise hunderte Stunden darin investiert, alles zu lesen und anzuschauen was ich zu einer Sportart gefunden habe, nur um den jeweiligen Sport und seine Beteiligten voll und ganz zu verstehen.

Und was war das Ergebnis? Unzählige Titel und Auszeichnungen die meine AthletInnen in den unterschiedlichsten Sportarten gewonnen haben.

Und warum ist mir das gelungen? Bin ich der fucking David Copperfield des Trainings?

Nein, ganz sicher nicht, aber ich lasse mir nur sehr selten in meinem Bereich erklären, was ich erreichen kann und was nicht. Ich bin der average Joe der euch zeigt gerade im athletischen Bereich könnt ihr jeden coachen egal, ob ihr den Sport jemals gemacht habt oder nicht.

Und deshalb geht das hier ganz besonders an alle Mädels da draußen! Auch ihr könnt das, auch ihr seid qualifiziert genug euch in diesem Bereich zu beweisen! Lasst euch nie sagen, dass ihr in einer solchen testosteron-verseuchten Umgebung keine Chance habt!

Jeder und jede hat die Chance… also ergreift sie!

03 – Fehler – Das Schöne an Fehlern ist, man muss sie nicht zweimal machen

„Der Dumme wiederholt seine Fehler, der Kluge lernt aus seinen Fehlern und der Weise lernt aus den Fehlern der Anderen…“ 

Fehler sind für mich in der heutigen Zeit ein ganz besonderes Thema, denn ich habe seit langem schon das Gefühl, dass sie nicht mehr so gerne gesehen sind, nicht mehr trendy oder gar en vouge.

So wie viele gerne Filter über ihre Bilder legen, so legen viele von uns Coaches den Mantel des Schweigens über die „dunkle“ Seite ihrer Arbeit. Wenn wir uns ehrlich sind, verstehe ich nicht, warum es bei so vielen unglaublich tollen Coaches in den sozialen Netzwerken, nicht viel mehr genauso unglaubliche AthletInnen gibt?

Jeden Tag sehe ich immer wieder eine nicht unbedeutende Anzahl an Posts in denen AthletInnen für ihre PRs gelobt werden und/oder gezeigt wird wie toll sie sich durch das Training bei Person X, Y, Z entwickeln…

Aber jetzt lassen wir mal die Hosen runter… sind das die Einzigen die ihr betreut? Wo sind die, bei denen es nicht so gelingt – wo sind eure Testergebnisse, die nicht besser waren als der letzte Test?

Ganz selten sehe ich mal einen Post in dem ein/-e CoachIn oder AthletIn auch von ihrer/seiner Niederlage berichtet – nein wir teilen nur die guten Zeiten – wir zeigen nur die Siege. Wer mich kennt weiß, dass ich nur sehr, sehr selten Dinge aus meinen Trainings oder meiner AthletInnen poste bzw. teile. Aber ich denke, wenn ich jetzt schon einmal damit anfange, und ich mir hier groß „Realtalk“ auf die Brust schreibe, dann stehe ich auch dazu…

Ich kann euch versichern, dass ich in den letzten 20 Jahren für jeden Titel den eine meiner AthletInnen gewonnen hat, mindestens einmal richtig daneben gelegen bin. Und ich meine nicht nur oh, ich hab das falsche Gewicht draufgelegt, nein ich rede von richtig in die Scheiße gegriffen.

Einmal habe ich mich in der Offseason von der Euphorie der Mannschaft tragen lassen. Alles hat super funktioniert, die PRs sind gefallen wie die Blätter im Herbst, einer nach dem anderen. Die Entwicklung war unpackbar. Zu Beginn der Season sind wir unglaublich brutal reingefahren, haben unsere Gegner dominiert, und dann ist uns ganz leise – still und heimlich – die Luft ausgegangen. Und dort wo es darauf angekommen wäre waren wir zu müde, um nachzulegen.

Eine Saison ohne Titel, somit war ganz viel harte Arbeit der Jungs umsonst – warum? – weil ich mich nicht im Griff hatte, und einfach nicht dem Plan gefolgt bin.

Ein anderes Mal, hat ein Spieler so unglaublich gut über den Sommer und die folgende Offseason auf das Training angesprochen, dass er richtig gut an Gewicht und vor allem auch Explosivität dazu gewonnen hat. PRs wurden zerbröselt bis zum ersten Kontakttraining – da wurde trotz korrekter Technik beim Tackle, ein Teil seines zweiten Halswirbels zerbröselt. Zum Glück war uns beiden eine höhere Instanz gnädig, denn der junge Mann ist völlig unbeschadet aus der Geschichte herausgekommen. Ein paar Monate Halskrause und da sich nichts verschoben hat, konnte auch alles wieder tadellos verheilen. Und warum? – weil ich einfach nicht weiter als bis zu meiner Nasenspitze gedacht habe. Ja, ich kann das auf meine Kappe nehmen, denn ich hätte bedenken müssen, dass es Strukturen geben wird, die diese neue Wucht, die entstehen wird, nicht aushalten werden. Ich danke heute noch allen Schutzengeln, dass das nicht anders ausgegangen ist.

Ihr seht, ich hab da ein paar gute Leichen im Keller, aber ich habe auch kein Problem das hier zu zeigen. Wieder frag ich warum? Ganz einfach weil ich keine meiner Fehler zweimal gemacht habe und weil ich schlau genug bin, bei vielen anderen Themen, aus den Fehlern anderer gelernt zu haben und zu lernen.

Nachdem ich Lesson 2 veröffentlicht habe, kam schon die erste Nachricht, warum ich das alles schreibe, und ob es nicht besser wäre, zu schreiben wie bestimmte Dinge funktionieren oder wie ich das oder das machen würde?!

Ich denke, nach dieser Lesson, sollte meine Intention klar sein. Meine Lieben – wenn ich euch sagen würde wie ich was mache oder welche Strategien ich anwende, dann würde ich euch in sehr vielen Bereichen Dinge sagen, die morgen vielleicht schon nicht mehr korrekt sind.

Ich mache euch hier das vielleicht größte Geschenk, dass ich euch machen kann. Ich gebe euch die Chance aus meinen Fehlern zu lernen, eure eigenen Lehren daraus zu ziehen und wenn es nur die Erkenntnis ist, das Fehler völlig normal und etwas durchaus positives sein können.

04 – Emotionen

„Ohne Emotionen kann man Dunkelheit nicht in Licht und Apathie nicht in Bewegung verwandeln.“

Carl Gustav Jung

Emotionen sind ein unglaubliches starkes Mittel, dass von sehr vielen Menschen unterschätzt wird. Sie bringen uns dazu positive und negative Dinge zu tun, von denen wir nie gedacht hätten, dass sie uns möglich wären. Sie helfen uns auch dabei Ereignisse und Informationen besser zu merken. Eine Frage, die an die bissl älteren unter uns geht – wisst ihr noch was ihr am 11.09.2001 gemacht habt? Der Tag an dem die zwei Flieger ins World Trade Center gekracht sind? Ich kann euch so viele Details von diesem Tag erzählen, das würdet ihr nicht glauben. Aber ich weiß gar nichts vom 10.09. oder vom 12.09.2001. Warum? Ganz einfach, diese Tage sind mit keinen Emotionen verknüpft.

Leider funktioniert es in beide Richtungen; im negativen wie im positiven Sinne – Emotionen verstärken einfach alles.

Wer mich kennt weiß, dass ich, auch wenn ich vielleicht auf den ersten Blick nicht so wirke, ein doch eher emotionaler Mensch bin. Vielleicht zeige ich es nicht immer so offensichtlich wie es andere tun, aber ihr könnt mir glauben, ihr macht euch keine Freude damit mich zu verärgern.

Ich muss gestehen, wenn ich objektiv (sofern das geht – sagen wir lieber subjektiv mit ein wenig Distanz) an meine Jugend zurückdenke, so war ich vor allem im Sport kein so leichter Zeitgenosse. Immer getrieben vom Ehrgeiz. Fehler habe ich aus Prinzip nicht toleriert, weder bei mir noch bei meinen Mitspielern und meinen Mund konnte ich auch nur sehr selten halten.

Da waren einige rote Karten wegen Schiribeleidigung oder wie ich es nenne „im Eifer des Gefechtes, leicht bis mittelschwer unkoordinierte Versuche dem Gegner den Ball abzunehmen“ dabei. Ich muss auch sagen, dass ich mir in den späteren Jahren, durch von Emotionen geleiteten vorschnellen Handlungen bzw. Aussagen einiges verbaut habe.

Auf der anderen Seite, waren es auch diese Emotionen, die es mir ermöglicht haben, in vielen Situationen als Trainer, immer wieder nach vorne zu schauen und noch härter an mir und meinen AthletInnen zu arbeiten.

In den letzten Jahren als Trainer, hatte ich dann die Möglichkeit mich sehr ausführlich mit diesem Thema zu befassen, denn in gewissen Positionen kann und darf man dann eben nicht mehr aus einer Emotion heraus leichtfertig handeln.

Hätte ich jede Niederlage, die ich mit meinen AthletInnen eingefahren habe, so emotional ausgelebt wie ich es früher als Spieler getan habe, dann wäre ich wohl schon lange nicht mehr unter den Lebenden. Ich habe gelernt meine Emotionen zu kontrollieren und sie vor allem zu kanalisieren, um sie so für mich positiv nutzen zu können. Wenn ich mich beschreiben müsste, dann als so eine Art altes Dampfschiff. Ihr könnt euch sicher vorstellen was ich meine; diese alten schweren Schiffe, mit großen Kesseln im Inneren. Kessel in denen das Feuer so richtig heiß brennt. Ich kann euch aus Erfahrung sagen, Emotionen sind ein schlechter Steuermann, aber sie können euren inneren Kessel so dermaßen zum Glühen bringen, das ihr alles, was ihr euch in den Kopf setzt, erreichen könnt.

Wichtig ist nur von Anfang an, dass ihr irgendwo ein Dampfventil habt, denn ab und zu muss der Druck auch einmal abgelassen werden. Das Wichtigste dabei ist, dass er nicht bei den falschen Personen abgelassen wird, denn auch das kann Beziehungen zu anderen Menschen auf eine schwere Probe stellen.

Für mich war es meistens mein eigenes Training, aber es gab genauso die Momente, in denen ich irgendwo alleine gesessen bin und nach Niederlagen oder auch nach Siegen einfach nur geweint habe.

Nicht weil wir gewonnen oder verloren haben, sondern einfach weil sich der emotionale Druck, der sich in mir aufgestaut hat, diesen Weg nach draußen gesucht hat.

Das schlimmste für mich war, als ein ehemaliger Spieler und guter Freund von mir, bei einem Unfall verstorben ist. Es war mitten in der Vorbereitung auf die nächste Saison und hat uns alle sehr hart getroffen, nicht zuletzt weil er auch als Nachwuchscoach im Verein tätig war. Als ich bei seiner Beerdigung eine der Reden halten durfte, konnte ich in den Gesichtern der vielen Anwesenden sehen, welchen Verlust wir alle erfahren haben. An dieser Stelle habe ich den Entschluss gefasst, das unsere nächste Saison sein Andenken sein sollte. Ihr erkennt den Fehler – es war dieser Moment, in dem ich meine Emotionen ans Ruder gelassen habe. Die Emotion dieses einen Augenblickes hat mich in den folgenden Monaten so unglaublich angetrieben. Ich wollte nichts mehr als dieses Andenken perfekt zu machen – und das waren wir, 2 Titel – eine Saison ohne Niederlage – einfach perfekt!

Aber auch diese Medaille hatte eben zwei Seiten, denn im Moment meines persönlich wahrscheinlich größten Erfolges, war klar, dass dieses Kapitel zu Ende war. Die Zeit bis dorthin war emotional aufwendig und hat mich viel Energie gekostet. Danach bin ich in ein so tiefes Loch gefallen, wie ich es noch nie erlebt habe. Vielleicht weil ich zu diesem Zeitpunkt erkannt habe, dass ich jetzt endgültig von meinem Freund Abschied nehmen muss. Fakt ist: Ich habe die folgende Offseason noch professionell zu Ende gebracht und habe nach meinem letzten Training die Anlage genauso verlassen wie ich sie Jahre zuvor betreten habe – heimlich, still und leise.

Nehmt Emotionen als das, was sie sind – Antrieb und Motivation, aber lasst sie nur dann ans Steuer, wenn ihr auch dafür bereit seid die Konsequenzen dafür zu tragen.